In vielen Werken ist das Geschäftsjahresende ein Albtraum.
Die Produktion steht. Das Lager wird abgeriegelt. Meister und Techniker klettern drei Tage lang über Regale und zählen staubige Kisten mit Schrauben und Lagern.
Diese „jährliche Inventur" ist enorme Geldverschwendung.
Produktionsausfall: Während gezählt wird, läuft keine Maschine.
Lohnkosten: Sie zahlen Überstunden, damit Mitarbeiter wie wandelnde Taschenrechner arbeiten.
Verspätete Daten: Sie merken erst nach 12 Monaten Fehlbestand, dass ein kritisches Ersatzteil fehlt.
Das Ziel einer modernen Fertigung ist, den jährlichen Stillstand komplett abzuschaffen. Das Mittel dazu ist Cycle Counting.
Cycle Counting ersetzt den „Big Bang" durch eine kontinuierliche tägliche Routine. Aus dem „Ereignis" Bestandsgenauigkeit wird eine „Gewohnheit".
So setzen Sie ein Cycle-Counting-Programm 2026 auf.
Cycle Counting ist eine Prüfmethode, bei der Sie täglich eine bestimmte Menge Artikel zählen. Über das Jahr zählen Sie alles, ohne das Lager je schließen zu müssen.
Jahresinventur: 10.000 Artikel einmal pro Jahr zählen.
Cycle Counting: 40 Artikel jeden Tag zählen.
Der Vorteil:
Finden Sie heute eine Abweichung, können Sie sie sofort untersuchen. Wurde der Motor gestern für einen Auftrag verbaut und niemand hat ihn gebucht?
Finden Sie die Abweichung erst nach einem Jahr, ist die Spur kalt. Sie werden nie erfahren, warum das Teil fehlt.
Sie sollten nicht jedes Teil gleich oft zählen.
Ein Servoantrieb für 5.000 Euro ist wichtiger als eine Unterlegscheibe für 0,10 Euro.
Nutzen Sie die ABC-Analyse (Pareto-Prinzip), um Ihre Ersatzteile zu klassifizieren:
A-Teile (obere 20%): Hoher Wert oder hoher Verbrauch. Kritisch für den Betrieb.
Häufigkeit: Monatlich (oder wöchentlich) zählen.
B-Teile (nächste 30%): Mittlerer Wert oder Verbrauch.
Häufigkeit: Quartalsweise zählen.
C-Teile (untere 50%): Geringer Wert (Schrauben, Sicherungen, Fittings).
Häufigkeit: Jährlich zählen (oder wenn der Behälter leer wirkt).
Die Strategie:
Konfigurieren Sie Ihre Software so, dass sie täglich eine „Zählliste" erzeugt, die einige A-Teile mit B- und C-Teilen mischt. So bleiben Ihre kritischen Bestände immer genau.
Wenn ein Techniker Lager zählen soll, sagen Sie ihm nicht, wie viele da sein müssten.
Schlechte Liste: „Behälter A4: prüfen, ob 5 Motoren da sind."
Ergebnis: Der Techniker schaut, sieht „etwa 5" und hakt ab.
Gute Liste (blind): „Behälter A4: Motoren zählen."
Ergebnis: Der Techniker zählt 4. Trägt „4" ein. Das System meldet eine Abweichung.
Die Lösung:
Erzwingen Sie eine echte Zählung. Bei einer Abweichung sollte die Software eine „Nachzählung" anfordern. Bleibt die Abweichung, startet eine Ursachenanalyse.
Cycle Counting korrigiert nicht nur die Zahl. Es korrigiert das Verhalten.
Wenn das System 10 Filter zeigt, Sie aber nur 8 zählen, wo sind die anderen 2?
Hat ein Techniker zwei für die Nachtschicht entnommen, ohne sie zu buchen?
Hat der Lieferant beim letzten Eingang zu wenig geliefert?
Wurden sie im falschen Behälter abgelegt?
Der digitale Vorteil:
Mit einer Plattform wie Fabrico sehen Sie den „Transaktionsverlauf". Sie sehen genau, wer den Bestandseintrag zuletzt angefasst hat. So finden Sie Prozessfehler oder Schulungslücken.
Cycle Counting sollte 15 Minuten pro Tag dauern, nicht Stunden.
Mit Klemmbrett und ausgedruckten Listen schaffen Sie das nicht.
Der mobile Ablauf:
Benachrichtigung: Der Lagerist bekommt um 8:00 Uhr eine Meldung: „Tagesliste Cycle Counting bereit."
Scan: Er geht zum Regal und scannt den QR-Code am Behälter.
Zählen: Er gibt die Menge auf dem Tablet ein.
Sync: Das System aktualisiert sofort. Passt es, schließt die Aufgabe. Passt es nicht, wird der Meister informiert.
Bestandsgenauigkeit ist eine Vertrauensfrage.
Vertraut das Wartungsteam dem System, schaut es vor jedem Teilkauf erst ins System.
Vertraut es nicht (weil die Zahlen immer falsch sind), hortet jeder Techniker Teile im eigenen Spind („Eichhörnchen-Lager"), nur zur Sicherheit.
Cycle Counting baut dieses Vertrauen auf. Mit 15 Minuten Zählen pro Tag sparen Sie Tage Stillstand und Tausende Euro „verschwundenen" Bestand.