Das Wichtigste in Kürze
Ein Manufacturing Execution System ist die Softwareschicht zwischen der Unternehmensplanung im ERP und den Maschinen in der Halle. Es übersetzt Aufträge in Arbeit an der Anlage und meldet zurück, was wirklich produziert wurde.
Das ERP weiß, was bis wann gefertigt werden soll. Das MES weiß, wie es gerade läuft: welche Maschine steht, welcher Auftrag hängt, wie viel Ausschuss entsteht.
Im Modell der Norm ISA-95 / IEC 62264 liegt das MES auf Ebene 3, zwischen der Geschäftsplanung (Ebene 4) und der Steuerungsebene mit SPS und Sensorik (Ebenen 0 bis 2).
Die Richtlinie VDI 5600 gliedert ein MES in Aufgaben, nicht in Module. Das hilft bei der Auswahl, weil Sie Anbieter an denselben Begriffen messen können.
| Aufgabe | Was sie im Werk bedeutet |
|---|---|
| Auftragsmanagement | Aufträge aus dem ERP übernehmen, freigeben, Status und Mengen zurückmelden |
| Feinplanung und Feinsteuerung | Reihenfolge der Aufträge je Maschine und Schicht festlegen und bei Störungen umplanen |
| Betriebsmittelmanagement | Maschinen, Werkzeuge und Vorrichtungen verfügbar halten, inklusive Instandhaltung |
| Materialmanagement | Material bereitstellen, Chargen zuordnen, Bestände an der Linie führen |
| Personalmanagement | Qualifikationen und Einsatz der Mitarbeiter je Schicht |
| Datenerfassung | Maschinen- und Betriebsdaten automatisch oder am Terminal erfassen (MDE, BDE) |
| Leistungsanalyse | Kennzahlen wie OEE, Stillstände, Taktzeiten und Ausschuss auswerten |
| Qualitätsmanagement | Prüfungen in der Fertigung, Prüfmerkmale, Sperren und Rückverfolgung |
| Informationsmanagement | Die richtigen Informationen zur richtigen Zeit an Maschine, Meister und Management |
| Energiemanagement | Energieverbrauch je Anlage und Auftrag erfassen und bewerten |
Kein Werk startet mit allen zehn Aufgaben. Die Frage ist, welche drei zuerst Geld bringen.
Die Begriffe überschneiden sich, und Anbieter nutzen sie großzügig. Diese Abgrenzung hat sich in der Praxis bewährt:
| System | Beantwortet die Frage |
|---|---|
| ERP | Was verkaufen, beschaffen und fertigen wir bis wann, und was kostet es? |
| MES | Wie wird jeder Auftrag in der Halle ausgeführt, und was ist dabei passiert? |
| MDE und OEE | Läuft die Maschine, und wenn nicht, warum und wie lange? |
| Instandhaltungssoftware (CMMS) | Welche Wartung und welche Reparatur ist wo fällig, und wer erledigt sie? |
Die Maschinendatenerfassung ist die Grundlage für fast alles andere. Ohne verlässliche Stillstands- und Stückzahldaten plant auch das beste MES mit falschen Zahlen.
Ein vollständiges MES ist ein großes Projekt. Es lohnt sich vor allem dort, wo die Anforderungen es erzwingen.
Viele mittelständische Fertiger finden sich in der zweiten Liste wieder. Unser Vergleich OEE und MES zeigt, wo die Grenze liegt.
Die VDI-5600-Aufgaben sind in jeder Branche dieselben. Welche davon zuerst zählen, unterscheidet sich stark.
| Branche | Schwerpunkt im MES |
|---|---|
| Automobilzulieferer | Rückverfolgung je Charge oder Teil, Taktzeiten an Pressen und Schweißzellen, Rüstzeiten |
| Lebensmittel und Getränke | Chargen, Reinigungs- und Allergenwechsel, Kurzstillstände an Abfüll- und Verpackungslinien |
| Pharma und Medizintechnik | Elektronische Chargendokumentation, Freigaben, lückenlose Nachweise |
| Metall und Kunststoff | Maschinendaten an Pressen, Spritzgieß- und CNC-Maschinen, Werkzeuge und Instandhaltung |
| Chemie und Prozessindustrie | Rezepturen, Energie und Verfügbarkeit weniger, großer Anlagen |
In der diskreten Fertigung mit vielen Maschinen bringt die Datenerfassung an der Maschine meist den schnellsten Nutzen. In regulierten Branchen treibt dagegen oft die Dokumentationspflicht das Projekt.
Fragen Sie jeden Anbieter nach Referenzen aus Ihrer Branche und mit vergleichbarem Maschinenpark. Ein MES für Pharma-Chargen taugt nicht automatisch für ein Presswerk.
Der Nutzen eines MES entsteht fast immer an der Engpassanlage. Jede zusätzliche Stunde dort ist eine zusätzliche Stunde Ausstoß für das ganze Werk.
Nehmen wir eine Linie an, die im Zweischichtbetrieb an 230 Tagen im Jahr läuft. Nach Abzug der Pausen beträgt die geplante Produktionszeit 15 Stunden pro Tag, also 3.450 Stunden im Jahr.
Multiplizieren Sie diese Stunden mit dem Deckungsbeitrag pro Stunde an dieser Linie, wenn Sie jedes Teil verkaufen können. Können Sie das nicht, bewerten Sie die vermiedenen Überstunden und Fremdvergaben.
Diese Rechnung zeigt auch, womit Sie anfangen sollten. Die ersten Prozentpunkte OEE kommen meist aus der Datenerfassung und der schnelleren Reaktion auf Störungen, nicht aus der Feinplanung.
Ein MES ist nur so gut wie die Zahlen, die es jeden Morgen auf den Tisch legt. Diese Kennzahlen sollte jedes System im Standard berechnen, mit einer klaren und dokumentierten Formel.
| Kennzahl | Formel |
|---|---|
| Verfügbarkeit | Laufzeit ÷ geplante Produktionszeit |
| Leistung | (gefertigte Teile × ideale Taktzeit) ÷ Laufzeit |
| Qualität | Gutteile ÷ gefertigte Teile |
| OEE | Verfügbarkeit × Leistung × Qualität |
| MTTR | Summe der Reparaturzeiten ÷ Anzahl der Ausfälle |
| MTBF | Laufzeit ÷ Anzahl der Ausfälle |
| Rüstzeitanteil | Rüstzeit ÷ geplante Produktionszeit |
| Ausschussquote | Ausschuss ÷ gefertigte Teile |
Achten Sie darauf, wie Pausen und geplante Nichtproduktionszeit behandelt werden. Werden sie nicht sauber aus der geplanten Produktionszeit herausgerechnet, ist die Verfügbarkeit zweier Werke nicht vergleichbar.
Wie die OEE im Detail berechnet wird und welche Stolperfallen es gibt, zeigt unsere Anleitung zur OEE-Berechnung.
Früher lief fast jedes MES auf einem Server im Werk. Heute bieten viele Anbieter Cloud-Betrieb an, oft mit einem kleinen Gerät an der Maschine, das die Daten sammelt.
| Kriterium | Cloud | Server im Werk |
|---|---|---|
| Start | schneller, keine eigene Hardware | Server, Datenbank und Updates in Ihrer Hand |
| Mehrere Werke | ein System für alle Standorte | je Werk eine Installation oder zentrale Anbindung |
| Netzausfall | Datenpufferung am Gerät prüfen | läuft lokal weiter |
| IT-Aufwand | gering, Schwerpunkt Datenschutz und Zugriffe | höher, Betrieb und Sicherung im Haus |
Die entscheidende Frage ist nicht Cloud oder Werk, sondern ob das Gerät an der Maschine nur liest. Ein System, das nicht in die Steuerung schreibt, ist für die OT-Sicherheit deutlich leichter freizugeben.
MES-Demos zeigen gern Leitstände und Gantt-Diagramme. Diese Fragen klären, ob das System in Ihrem Werk funktioniert:
Ein MES erfasst Daten, die sich oft über Anmeldung, Schicht oder Arbeitsplatz einzelnen Beschäftigten zuordnen lassen. Der Betriebsrat hat dann nach § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG mitzubestimmen, denn es genügt, dass die Technik zur Überwachung von Verhalten oder Leistung geeignet ist.
Klären Sie Zweck, Auswertungsebene und Zugriffe vorab in einer Betriebsvereinbarung. Unser Leitfaden zur Abstimmung mit dem Betriebsrat zeigt die typischen Punkte.
Ein Einstieg in drei Phasen hat sich bewährt:
Mehr zu den Ursachen gescheiterter Projekte lesen Sie in unserem Beitrag Warum MES-Einführungen scheitern.
Fabrico ist kein vollständiges MES, sondern deckt die MES-Aufgaben Datenerfassung und Leistungsanalyse sowie die Instandhaltung aus dem Betriebsmittelmanagement in einem System ab. Maschinendaten kommen über die SPS-Anbindung, über IoT-Sensoren für ältere Anlagen oder über Kameras mit Bildverarbeitung.
Daraus entstehen OEE in Echtzeit, Stillstandsprotokolle und die Erkennung von Kurzstillständen. Weil Fabrico zugleich eine vollständige Instandhaltungssoftware ist, legt das Team den Instandhaltungsauftrag direkt für die betroffene Maschine an.
Auftragsdaten wie Produkt und ideale Taktzeit können aus dem ERP übernommen werden, damit jeder Lauf am richtigen Soll gemessen wird. Die Oberfläche ist auf Deutsch verfügbar, und Fabrico ist nach ISO 27001 zertifiziert.
Sehen Sie, welche MES-Aufgaben Ihr Werk zuerst braucht. Vereinbaren Sie eine Demo mit einem Fabrico-Berater, 30 Minuten und unverbindlich.
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Ein MES verbindet die Planung im ERP mit dem, was an den Maschinen passiert. Es gibt Aufträge in die Fertigung und meldet Mengen, Stillstände, Ausschuss und Zeiten zurück.
Das ERP plant Aufträge, Material und Kosten für das ganze Unternehmen. Das MES steuert und dokumentiert die Ausführung in der Fertigung, nahezu in Echtzeit.
Die Richtlinie VDI 5600 beschreibt die Aufgaben eines MES, von Auftragsmanagement und Feinplanung über Datenerfassung und Leistungsanalyse bis zum Qualitäts- und Energiemanagement. Sie dient als gemeinsame Sprache zwischen Anwendern und Anbietern.
Ja, die Datenerfassung ist eine der Kernaufgaben eines MES. Viele Werke beginnen mit MDE und OEE und ergänzen weitere MES-Aufgaben später.
Instandhaltung gehört in der VDI 5600 zum Betriebsmittelmanagement. Ein MES, das Stillstände erkennt, sollte daraus direkt einen Instandhaltungsauftrag anlegen lassen.
Sehen Sie, wie Fabrico OEE und Instandhaltung in einer Plattform vereint.
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